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Susi Jirkuff, Anneliese Schrenk
kuratiert von Siggi Hofer

12. Mai 2018 bis 10. Juni 2018

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Fotos von Katharina Fink

Der Ausstellungstitel bezieht sich auf eine italienische Literaturverfilmung der Gebrüder Taviani und steht in diesem Falle nicht für ein totales Durcheinander, wenn doch für einige Widersprüche. Der Film entstand 1984 und beruht auf Novellen des Schriftstellers Luigi Pirandello, der in Caos (sizilianisch für Heimat) geboren wurde. In diesem Sinne beschreibt der Titel die Ausstellung schon bedeutend besser: Heimat im Sinne von Präsenz und Abwesenheit (Assenza) im Sinne von Verlust bzw. Heimatverlust. Hier setzt die Ausstellung an und verbindet letztendlich auch die Werke beider Künstlerinnen.

Susi Jirkuff zeigt Arbeiten, die als Zitat hässlich abgenutzter Sofamöbel fungieren. Diese sind wiederum Ausdruck individueller Lebensläufe, sowie des Scheiterns und des Träumens. Jirkuffs Arbeiten pendeln – verstärkt durch die Präsentation – zwischen Zeichnung, Malerei und Objekt. Fast trotzig mit Tusche und Tinte, beinahe lebensgroß auf Papier gemalt, wirken sie wie riesige Motive aus Malbüchern für Kinder. Die Polstermöbel beschreiben mit ihren Spuren von Zeit und Mensch atmosphärisch eine Abwesenheit, der eine Präsenz vorausgegangen ist. Dabei wirken sie, die Hoffnung und den kreativen Akt weglassend, als wären sie fast kommentarlos aus der dreiteiligen Videoarbeit 3 Femmes übernommen worden. Während die Zeichnungen vorwiegend durch ihre Größe eine direkte Beziehung zum Betrachter herstellen, sind es in den Videos die beinahe unmerklichen Bewegungen oder Lichtspiele. Den abgebildeten Sofas wird jeweils ein Frauenportrait von Picasso hinzugefügt. Die Portraits zeigen Frauen, die in längeren Beziehungen zum spanischen Künstler standen und hier, im Gegensatz zu ihrem überagilen und manischen Erschaffer, zwar diametral starr erscheinen, jedoch nie würdelos auf den schäbigen Sofas wirken.

Die Künstlerin Anneliese Schrenk widmet sich in ihren Werken schon seit Jahren der Bearbeitung von Leder. Hier baut bzw. spannt sie riesige Überdachungen, die an Zelte aus Tierhaut erinnern. Diese notdürftig oder vielmehr unvollständig wirkenden Behausungen schwingen zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit, zwischen möglicher Geschichte und Verweigerung derselben, hin und her. Selbstbewusst behaupten sich die Skulpturen im Raum und sind, auch wenn nur lose angedeutet und nicht zur Gänze ausformuliert, doch in ihren möglichen Funktionen verhaftet. Durch konstruieren, spannen, aufrollen, verknoten, aufhängen mit Hilfe von Haken und Eisenstangen, und durch dass schaffen von Möglichkeiten etwas herunterzulassen, wegzuschieben und zu erweitern, die Innenseite nach Aussen zu stülpen, entsteht nach und nach, Schicht für Schicht das vorläufig gewünschte Ergebnis. Der Ausstellungsinnenraum wird dabei zum Außenraum, zur unendlichen Weite bis hin zum abstrakten Raum. Wäre der Ort ein anderer, die Witterung eine andere gewesen, der Wind aus einer anderen Richtung gekommen – kurzum: alle Umstände ganz anders gewesen - , so wären auch die Gebilde und Positionen untereinander ganz anders geworden. Auch hier ist das ganze genauso statisch wie flexibel und baut dadurch eine enorme Spannung auf.

In beiden Arbeiten ist der Mensch unsichtbar. Seine Suche nach Sinn, manchmal nach Schutz oder Glück, seine Resignation und seine Energie ist allerdings omnipräsent.

Fast alle Arbeiten sind 2018 für diese Ausstellung entstanden.

Text: Siggi Hofer