DIE VERWANDLUNG

Siggi Hofer, Franco Kappl
kuratiert von Katharina Fink

10. Juni 2017 bis 9. Juli 2017

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Fotos von Michael Strasser

Siggi Hofer oder Franco Kappl. Oder Siggis Buntstiftzeichnungen auf Leinwand, die an unschuldig gewalttätige Märchenbuchillustrationen erinnern: Ein junger Esel reckt den Hals in die Höhe und schreit, als seine Beine von den Händen eines ansonsten Unsichtbaren gepackt werden.

Oder ein alter kleiner Esel mit verdrücktem Gesicht, der nach hinten ausschlägt, um sich eines rotzungigen Wolfes zu erwehren. – Eine von Siggis Mamaerinnerungen besagt, dass die Barbetreiberin in einem Südtiroler Tal, wenn sich manchmal nachts eine Rauferei unter den Gästen angebahnt hat, ihre Kinder geweckt und hinunter ins Lokal geführt hat.

Oder ein Selbstportrait Siggis als Teenager. Der Titel des Bildes ist einem Text Norbert C. Kasers entnommen; am 28. Juni 1978 schreibt er: „es ist kalt sehr kalt auch in mir.“ – Wie sehr gehört ein bisschen Violett in das Gesicht eines jungen Mannes! Das muss man sich für die Zukunft merken. – Wie lebhaft ist Siggis roter Mund: schon ganz abgewetzt von der vielfältigen Arbeit des Genießens.

Oder Francos Papaerinnerung, derzufolge der Bettlägerige den ganzen Tag in die Luft geschaut hat; eines Tages hat er sich von seinem Sohn eine frisch ausgemalte Wohnzimmerdecke gewünscht. Dafür hat der Sohn den auf die Couch Beschränkten vorher mit Planen abdecken müssen.

Oder Francos riesenhafte Gemälde, Acryl auf Leinwand; schwarze, graue und weiße Farbe, da und dort ein Hauch von Farbe. Die Gemälde sind kürzlich entstanden, und sie wirken künftig und immerfort so, als wären sie frisch gemalt. – Gestische Malerei nicht als Haltung, sondern als Stilmittel, das man anwendet und auch wieder nicht, oder der Versuch, kontrolliert spontan zu sein oder spontan kontrolliert: ein Unterschied ums Ganze und reine Nervensache.

Text: Bernhard Seiter